Buchbesprechung von Martin Stangl, Weiden

Alexander Probst, Von der Kirche missbraucht

Alexander Probst Lesung Buchhandlung Stangl

Alexander Probst bei der Lesung in der  Buchhandlung Stangl und Taubald

Muckmäuschen still war es, als am 9. März 2017 der ehemalige Domspatz Alexander Probst in der Buchhandlung Stangl & Taubald mit seinem Bericht begann.
Was die knapp 100 BesucherInnen zu hören bekamen, war schwere Kost.
Alexander Probst Lesung Buchhandlung Stangl

Schnell verließ der Referent sein ursprüngliches Vorhaben, aus seinem Buch vorzulesen, er erzählte einfach…
In den 1960er Jahren kam er in das Grundschulinternat der Domspatzen in Etterzhausen. Schon in den ersten Tagen wich die freudige Spannung dem puren Entsetzen, denn die Minderjährigen wurden mit dem Jähzorn ihrer Lehrer konfrontiert. Dieser unkontrollierte Jähzorn entlud sich in purer Gewalt gegenüber den 3. und 4. Klasslern. Schläge mit der Hand ins Gesicht, „Tatzen“ mit dem Geigenstock waren an der Tagesordnung.
Nach dem Übertritt ins Gymnasium in Regensburg kam eine weitere Dimension des Schreckens hinzu: Ein Präfekt führte die Jugendlichen in die Welt des Alkohols, der Zigaretten und der Schmuddelfilme ein. Tätliche sexuelle Belästigungen setzten dem verwerflichen Treiben des Kirchenmannes die negative Krone auf.
Probst schilderte diese schlimmen Begegnungen sehr authentisch. Als jedoch aus dem Publikum zwei weitere ehemalige Domspatzen unabgesprochen die gewalttätigen Übergriffe bestätigten, machte sich im Publikum blankes Entsetzen breit. Die ungläubigen Nachfragen der schockierten ZuhörerInnen beantworteten die ehemaligen Schüler des Domspatzengymnasiums ohne Differenzen. Mag möglicherweise anfangs noch Zweifel über die Zustände geherrscht haben: Spätestens jetzt wurden die furchtbaren Vorgänge ununmstößlich glaubhaft gemacht.
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Probst verwies darauf, dass erst unter Bischof Voderholzer eine Aufarbeitung begonnen habe. Trotzdem – so der ehemalige Domspatz – gäbe es für ihn im Innersten noch keinen Frieden mit der Zeit im kirchlichen Internat: Zu groß sind die Demütigungen durch die Kirchenmänner.

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