Buchbesprechung von Judith Schleicher, Lingerhahn

Emylia Hall, Mein Sommer am See

Sommergeschichte mit Tiefgang

Beth aus England – mit ungarischem Namen Erzsebeth – bekommt überraschend Besuch vom Vater, der ihr ein Päckchen aus Ungarn überbringt. Darin verbergen sich ein von ihrer Mutter selbst gestaltetes Buch mit dem Titel „Das Buch unserer Sommer“ sowie die traurige Nachricht, dass die Mutter in Ungarn verstorben ist.

Beth hatte jahrelang keinen Kontakt mehr zur Mutter. Sie lässt das Buch zunächst unbeachtet liegen, aber schließlich siegt die Neugier und sie schlägt es auf. Darin finden sich Fotos und Erinnerungsstücke aller Sommer, die sie als Kind in Ungarn verbracht hat. Sie durchlebt in ihrer Erinnerung alle Sommer noch einmal, wodurch sie die Vergangenheit verarbeitet und schließlich auch vergeben kann.

Die Autorin hat in ihrem Buch die ungarische Landschaft und die Orte, wo die Geschichte spielt, so gut beschrieben, dass man sich nach Ungarn versetzt fühlt und sich die Landschaft genau vorstellen kann. Man merkt, dass sie schon einmal dort gewesen sein muss und das Land liebt.

Zu Beginn schleppt sich die eigentliche Geschichte jedoch ziemlich hin. Die vielen Zeitsprünge zwischen heute und der Kindheit der Hauptfigur Beth machen anfangs Probleme, aber man gewöhnt sich an den Schreibstil. Richtig Fahrt nimmt das Buch erst im 8. Kapitel auf, aber dann ist die Geschichte so fesselnd, dass man nicht mehr aufhören kann. Es ergibt sich eine Wendung in der Handlung, die nicht vorhersehbar war.

Anders als der Titel vermuten lässt, handelt es sich nicht um eine fröhliche Sommergeschichte, sondern um die Verarbeitung eines Traumas, das Beth im Alter von 16 Jahren erfahren musste. Es ist eine Geschichte um Liebe, Vertrauen, Enttäuschung und Verzeihung, die sich zu lesen lohnt.

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Hier finden Sie weitere Informationen zu Emylia Hall, Mein Sommer am See!

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