Buchbesprechung von Martin Stangl, Weiden

Akif Pirincci, Deutschland von Sinnen


Endlich haben die Gutmenschen in Deutschland wieder einen Anlass laut zu schreien.
Doch während sie mit Sarrazin einen deutschen Nestbeschmutzer vor sich hatten, tun sie sich dieses Mal nicht so leicht.
Akif Pirincci (Autor des Welterfolges „Felidae“) ist Sohn eines türkischen Gastarbeiters, der in den 1970 Jahren nach Deutschland gekommen ist.

Er beschreibt in seinem Buch „Deutschland von Sinnen“ für sich entdeckte Missstände. Er fährt (leider teilweise sehr polemisch) Angriffe gegen den Islam in Deutschland, gegen Homosexuelle und gegen den deutschen Feminismus.
Manches ist aus meiner Sicht ungerecht von Pirincci beschrieben, aber in einigen Dingen hat mich das Buch zum Nachdenken angeregt.
Beispiel:

  • Pirincci – selbst nicht praktizierender Moslem – kann nicht verstehen, dass aus religiöser Toleranz in Schulen Kreuze abgehängt werden müssen, andererseits die Burka als nicht verhandelbares Kleidungsstück gefordert wird. Dazu passt eine dpa-Meldung, die ein ein Gerichtsurteil vom Bayerischen Verwaltungsgerichtshof (Aktenzeichen 22.4.2014, Az. 7 CS 132592) zitiert. Danach darf eine muslimische Schülerin im Unterricht an einer bayerischen Schule keinen Gesichtschleier tragen. Die Begründung: Der Schleier, der nur die Augen freilässt, behindere die Kommunikation…
    Kein vernünftiger Nicht-Moslem würde auf die Idee kommen, eine Islamschule in nicht angepasster Kleidung zu besuchen oder – noch dreister – vor einem Gericht zu klagen, dass eine Frau in Badelatschen, Hotpants und durchsichtigem T-Shirt diese Institution betreten darf.
  • Pirincci toleriert Homosexualtät, hält aber den permanenten Hype um Coming out und die mediale Zurschaustellung für übertrieben.
  • Pirincci hält Frauen in der Arbeitswelt für ebenso fleißig, leistungs- und karrierefähig wie männliche Kollegen. Eine feministische Debatte um Quoten für Positionen hält er für nicht dienlich.

Pirincci versteht nach eigenen Aussagen in vielen Dingen die Deutschen nicht.-

Ex-Bundespräsident Wulffs Äußerung „…der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland…“ kontert Pirincci mit der Überschrift: „Der Islam gehört zu Deutschland, wie die Reeperbahn nach Mekka.“

Ich glaube, das Buch liefert einen – zwar nicht immer sachlichen – Beitrag zur Diskussion, ob man in Deutschland einmal mit der Selbstzerfleischung oder Selbstgeißelung etwas vorsichtiger sein sollte.
Etwas weniger Polemik hätte dem Buch gut getan.

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